Tierethik in den Kirchen

Ethik ist die Lehre vom richtigen Handeln. Sowohl seitens der Geisteswissenschaften, neuerdings auch seitens der Naturwissenschaften, als auch durch Religionen gab und gibt es immer wieder Anstöße für ethisch richtiges Verhalten. Gerade Religionen haben in ihren Inhalten einen nicht unerheblichen Ethik-Anteil, der der Gesellschaft allerdings nur in geringem Ausmaß bewusst ist. Dies gilt in einem sehr großen Ausmaß für die Tierethik. Hier regen sich aber in unserer Zeit Keime einer Veränderung. Immer mehr Stimmen werden laut, die auf den bisherigen falschen Umgang mit der Natur und damit auch mit der Tierwelt hinweisen und die eine Umkehr unseres Denkens und Handelns verlangen. Auch in den Kirchen.  Ein Minibeispiel dafür ist ein Pfarrbrief einer katholischen Kirchengemeinde hier in Oberfranken, der sich zu einem großen Teil dem Thema Tierschutz widmet. Das einleitende Grußwort, verfasst von Sigrid Hader-Popp, sei hier wiedergegeben:

 

Liebe Leserinnen und Leser des Ebrachgrundblicks,

„Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen…“ so beginnt der „Sonnengesang“ des Hl. Franziskus von Assisi. Für ihn steht der Mensch nicht herrschend über allen Tieren, sondern er sieht sie als „gleich gestellte Werke des allmächtigen Gottes – unsere Brüder“, mit denen wir vor Gott in einer Gemeinschaft leben.

Dass Tiere uns nahe stehen, Gefühle haben und zeigen, leiden und sich freuen können, klug sind und mit uns auf ihre Art kommunizieren, wissen alle, die mit Heimtieren in guter Hausgemeinschaft leben. Besonders kleine Kinder spüren die Seelenverwandtschaft mit Tieren und fühlen sich zu ihnen meist spontan hingezogen.

Präzise und sachlich nähern sich die Neurowissenschaften und die Biologie den Tieren an. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht die Zeitungen über neue Erkenntnisse der Forscher über die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten von Tieren berichten: Hunde zeigen Ansätze schlussfolgernden Denkens, Rabenvögel stellen sich Werkzeuge her und erkennen Gesichter von Menschen wieder, Delfine bilden komplexe Gruppen, die zusammenarbeiten, Schimpansen erkennen sich selbst im Spiegel, haben also ein Ich-Bewusstsein und so weiter.

Staunen und Ehrfurcht stellen sich ein, wenn man darüber nachdenkt, und tiefe Freude über die Wunder der Schöpfung.

Dass wir diese Ehrfurcht nicht in unser Alltagsleben übertragen, spüren wir. Wir verhalten uns oft, als wüssten wir nicht, dass z.B. die Schweine in den Mastanlagen auf demselben Entwicklungsstand stehen wie unser geliebter Haushund neben uns, dass Enten, Gänse, Hühner in den oft engen Ställen genauso wunderbare Wesen sind wie die Störche, deren majestätischen Flug über unsere Dächern wir so erfreut beobachten. Uns wird mulmig, wenn wir daran denken, wie die – von uns – so genannten „Nutztiere“ meist behandelt werden. Wir wissen schon, warum auf unseren Erntedankfest-Altären nur Früchte und Gemüse liegen und nicht ein toter Hase oder ein Huhn mit abgehacktem Kopf.

Irgendwie stimmt etwas nicht mit unserem Verhalten. Papst Franziskus spricht dies in seiner Enzyklika „Laudato si!“ deutlich an, ja er fordert alle Christen ganz direkt zu einer Umkehr auf, was unsere Beziehung zu den anderen Geschöpfen und zur Welt betrifft. Er schreibt: „Ich lade alle Christen ein, diese Dimension ihrer Umkehr zu verdeutlichen, indem sie zulassen, dass die Kraft und das Licht der empfangenen Gnade sich auch auf ihre Beziehung zu den anderen Geschöpfen der Welt, die sie umgibt, erstrecken in jener Geschwisterlichkeit mit der gesamten Schöpfung, die der heilige Franziskus in so leuchtender Weise lebte.“ (Abschnitt 221)

Lassen Sie uns doch dieser Einladung folgen!